„Installs sind eine Eingangs-KPI, keine Erfolgs-KPI"

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„Installs sind eine Eingangs-KPI, keine Erfolgs-KPI"
Danny von Holdt (FOCUS online) & Jan Gerwin (Hybrid Heroes) im Gespräch


Es ist keine Neuheit, dass das Tempo in der App-Welt grundsätzlich enorm ist und dass es in Zeiten von KI noch schneller zugeht. Mit dem APP VISION Newsletter wollen wir genau das reflektieren: Gespräche, Zahlen und Perspektiven aus der App-Community, die über den Moment der Konferenz hinausgehen.

In dieser Ausgabe haben wir zwei Dinge zusammengebracht, die uns gerade besonders beschäftigen: einen tiefen Blick hinter die Kulissen von FOCUS online, einer der größten News-Apps Deutschlands, und die wichtigsten Zahlen aus dem RevenueCat Report, der wie jedes Jahr einen umfassenden Blick über die Subscription-App-Branche wirft.

Viel Spaß beim Lesen!


Was 1,5 Millionen User über die Zukunft der News-App verraten


Jan Gerwin im Gespräch mit Danny von Holdt, Executive Director Product bei FOCUS online

Danny von Holdt trifft Entscheidungen, die Millionen Menschen täglich betreffen ohne dass sie es merken. Als Executive Director Product bei BurdaForward verantwortet er die FOCUS online App, mit mehr als 1,5 Millionen monatlich aktiven Nutzern und über einer halben Million täglich aktiven Usern eine der meistgenutzten News-Apps Deutschlands. Wir haben ihn gefragt, was diese Arbeit ihn gelehrt hat.

Jan: Viele App-Teams messen ihren Erfolg an Downloads und Installs. Was zählt bei euch?

Danny: Installs sind für uns ein Eingangs-KPI, kein Erfolgs-KPI. Im Fokus stehen Retention — Day-1, Day-7, Day-30 — Sessions pro User, Verweildauer und Push-Opt-in-Raten. Letztere sind fundamental, weil Push der dominante Re-Engagement-Kanal in einer News-App ist.


Jan: Gibt es einen Moment, wo ihr gemerkt habt, dass etwas, das lange funktioniert hat, plötzlich nicht mehr zieht?

Danny: Ja, beim Thema lokale News. FOCUS online ist klar für nationale und internationale Themen relevant, lokale Nachrichten konsumieren Nutzer primär bei den lokalen Medien. Diese Erkenntnis hat unseren Blick geschärft: Wir spielen unsere Stärken dort aus, wo wir tatsächlich die erste Anlaufstelle sind, statt Bereiche zu bedienen, in denen andere strukturell näher am Nutzer sind.


Jan: Was können App-Herausgeber anderer Kategorien von euch lernen gerade in Hinblick auf Retention?

Danny:
Drei Dinge. Push ist kein Marketing-Kanal, sondern Teil des Produkts. Schlechte Pushes verbrennen Trust schneller als jeder Bug. Frequenz schlägt Spektakel: Wer im täglichen Routinemoment des Nutzers landet, gewinnt. Und Inhalt ist bei einer News-App einer der wenigen nachhaltigen Retention-Treiber. Features sind Verstärker, aber kein Ersatz.


Jan: Und wenn du einen Rat mitgibst, der über News-Apps hinausgeht?

Danny: Misstraue dem Onboarding-Optimum. Viele Apps optimieren den Funnel bis zum ersten Aha-Moment perfekt und verlieren die Nutzer dann in Woche zwei. Die harte Arbeit liegt in der zweiten und dritten Woche, nicht im ersten Tap.


Jan: Ihr habt ein Redesign angekündigt. Was kannst du uns dazu schon sagen?

Danny: Das kommende Redesign der App: klarer, emotionaler, strukturierter in der Nutzerführung. Redaktion und Produkt haben hier wirklich Hand in Hand etwas Neues kreiert. Mehr verraten wir noch nicht — aber: Stay tuned.

Das Redesign, der Tech-Stack hinter FOCUS online und die Frage, wie KI den Newskonsum verändert — darüber sprechen wir mit Danny im zweiten Teil.


Quelle: Revenue Cat Report 2026

Markteinblick: State of Subscription Apps 2026


Der RevenueCat Report erscheint jedes Jahr und gilt als einer der verlässlichsten Seismographen für die globale Subscription-App-Branche. Die diesjährige Ausgabe liefert viele interessante Zahlen. Drei davon haben uns besonders überrascht.

Erstens: Der Markt wächst schneller als die meisten ahnen. Im Januar 2022 wurden rund 2.000 neue Subscription-Apps pro Monat gelauncht. Im Januar 2026 waren es über 14.700 — ein siebenmal höherer Wert in nur vier Jahren, getrieben vor allem durch KI-gestützte Entwicklungstools, die den Weg von der Idee zur fertigen App dramatisch verkürzt haben. Mehr Angebot bedeutet allerdings nicht automatisch mehr Aufmerksamkeit. Der Wettbewerb um jeden einzelnen Homescreen-Platz wird entsprechend härter.

Zweitens eine Zahl, die viele Monetarisierungsdiskussionen neu einrahmt:
Harte Paywalls konvertieren fünfmal besser als Freemium-Modelle. Wer also zögert, ob er seine App hinter eine Bezahlschranke stellen soll, hat hier zumindest ein klares Argument aus den Daten.

Und drittens ein Finding, das in vielen Produktteams noch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: 32,2% aller Subscription-Kündigungen auf Google Play sind Billing Failures — also keine bewusste Entscheidung der Nutzer, sondern technische Abbrüche. Fast jede dritte Kündigung ließe sich theoretisch verhindern, bevor sie überhaupt passiert.

Den vollständigen Report gibt es kostenlos unter revenuecat.com/state-of-subscription-apps.


Das war die Mai-Ausgabe des APP VISION Newsletters. Wir hoffen, du nimmst etwas mit, das sich in deiner nächsten Produktentscheidung bemerkbar macht. Wenn du Fragen, Feedback oder eine eigene Perspektive hast, die du gerne einbringen möchtest, freuen wir uns von dir zu hören.

Und falls du jemanden kennst, für den dieser Newsletter relevant sein könnte, sei es ein Product Owner, ein App-Entwickler, ein Designer oder einfach jemand, der die App-Welt genauso spannend verfolgt wie wir, dann leite ihn gerne weiter.

Bis zur nächsten Ausgabe.
Jan Gerwin & das APP VISION Team